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"Just For Fun" - Motivation hinter KostNix-Software

Referat - Jens Diemer - "OpenSource" - Dozent: Asmus - WS02/03

 Einführung

 Source was ist das?

Der Source-Code ist der für Menschen lesbare Quelltext einer Programmiersprache. Die Quelltexte müssen vor der eigentlichen Anwendung, durch einen Compiler in eine binäre Form gebracht werden, um vom Computer ausgeführt werden zu können.

Source

<->

Software

Quellentext

fertige Programm

HTML-Code

Screenshot der HTML-Seite

Textverarbeitungs-Dokument

Ausdruck auf Papier / PDF-Datei

Photoshop PSD Datei
(mit allen Ebenen)

Photoshop-Bild speichern als JPG

 OpenSource die Anfänge

Linus Torvald, der Linux Erfinder, hat 1991 sein Betriebssystem freigegeben. Jeder durfte dabei mit entwickeln, unter der Bedingung, das es für alle kostenlos verfügbar bleibt.

Dies stellt ein Verhaltensrückschritt dar: Die Idee des Handelns wurde zum Nutzen der Gemeinschaft aufgegeben. Statt mit einer Ware Profit zu erzielen, ist es für alle frei. Der hinter liegende Sinn: Wer etwas Wertvolles kostenlos erhält, der ist leichter bereit, ebenfalls kostenlos Leistung zu erbringen, somit wächst/entwickelt es fast von alleine.

 GNU Public Licence (GPL)

Vor Torvalds Linux gab es schon kostenlose Software mit Quellencode. Der revolutionäre Schritt war es, dies in Form einer Lizenz, zu Reglementieren.

GPL soll garantieren, dass die Software

  • für beliebige Zwecke genutzt werden kann
  • ihre innere Funktionsweise einsehbar ist
  • es möglich ist, sie zu verändern
  • in der ursprünglichen oder überarbeiteten Version kostenlos weiter zu geben.


Der wirkliche Anstoß für OSS begann mit der gleichzeitig stattfindende Evolution immer größerer Computernetze. Vorher waren Nutzergemeinschaften um Hersteller und ihre Produkte zentriert. Die Möglichkeit Software über FTP, E-Mail und Usenet zu verteilen, war für unabhängige Entwickler ein großer Gewinn. Sie vertrieben ihre Software im Sinne einer "stillen Post". Das führte oft zu unverständlichen Programmier gesprächen, aber noch viel öfter zu evolutionären Fortschritten.

 Der Transformationseffekt

Da OSS von jedem weiterentwickelt und geändert werden kann, unterwirft sich OSS einer natürlichen Evolution: Ähnlich dem biologisch, evolutionären Prozess. Jeder kann aus dem Internet ein OpenSource Programm mit kleineren oder größeren Änderungen ("Mutationen") wiederum für andere im Internet veröffentlichen. Die guten Mutationen werden in vielen Fällen von anderen Nutzern übernommen. Laut Torvalt ist dies ist kein wirklich effizienter Prozess, der systematisiert werden kann, aber er bewältigt hohe Komplexität sehr gut. Jedoch gibt es weitgehend akzeptiertes "Übereinkommen":

  • Die Verteilung geänderter Versionen, erfolgt nicht ohne die Zustimmung der 'Eigentümer'
  • Der Name eines Entwicklers wird nicht aus der 'Projektgeschichte' entfernt.
  • Aufspaltung (forking) eines Software-Projekts nur unter schwerwiegenden Gründen

Kommerzielle Software unterliegt der freien Marktwirtschaft. Sie hat für den Hersteller nur den Zweck Profit zu erzielen. Deshalb wird nur Software entwickelt, die die Entwicklungskosten wieder einspielen kann. Somit wird nur auf aktuelle bzw. absehbare Bedürfnisse entwickelt: Nachfrage bestimmt das Angebot.

OSS entsteht meist aus dem Bedürfnis eines einzelnen sein persönliches Problem zu lösen. Dabei spielt eine Verwendung für andere eher im Hintergrund. Somit wird unabhängig von der wirtschaftlichen Nachfrage entwickelt. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, das manch Kleinstprojekte weitläufige Auswirkungen hatten. So sind beispielsweise die EMail-Technik und das "World-Wide-Web" entstanden.

 Wer und warum?

 Wer programiert hier?

Vorwiegend stammen OSS-Entwicklern aus Schule, Universität oder Forschungsinstitute. Aber meist sind es berufliche Programmierer, die ihren Lebensunterhalt in kapitalistischen Software-Produktion erwirtschaften. Sie beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit OS-Projekten, sind dort unabhängig von zugewiesenen Projekten, Zeitplänen und Deadlines.

Durch Investitionen ('Partnerschaften') von "klassischen" Firmen, aber auch Open-Source-Unternehmen üben inzwischen Kontrolle über einen guten Teil der Entwicklung aus, indem sie selber OS-Programmierer beschäftigen und nehmen so erheblichen Einfluss auf Richtung und Ziele der OSS-Entwicklung.

 ... und warum?


Qualifikation für einen Beruf:

  • Hochschulprojekte
  • Programmiersprache erlernen.

Technische Neugier / Spaß am Programmieren:

  • Wie funktioniert das? Was braucht es, um die Funktion zu erfüllen?

Eigen Interesse, die Software anzuwenden:

  • Die Wunschsoftware existiert bisher noch nicht.

Ideologischer Gedanke:

  • Kampf gegen die marktbeherrschenden Softwarekonzerne im Sinne der bürgerlichen Freiheit
  • der Welt etwas geben wollen.
  • Nützlichkeit für sich und andere (Gebrauchswert, Qualität der Software.)
  • Wunsch nach Selbstentfaltung

"Just for Fun":

  • Spaß an der Herausforderung (Sportart "Programmieren")

Reputation (Ruf, Ansehen):

  • Anerkennung von der Gemeinschaft, durch Leistung an die Gemeinschaft

 alles "Just for Fun"?

Für Linus war und ist das Programmieren an Linux einfach Spaß an der Herausforderung. Er vergleicht es mit Sport ("globaler Mannschaftssport"): "Eine Sportart wird nicht dadurch attraktiver, dass man sie leichter macht - im Gegenteil. Eine wirklich anregende Sportart zeichnet sich dadurch aus, dass man beständig angestachelt wird, es noch besser machen zu wollen. Das gilt auch für das Programmieren."

Glyn Moody "Die Software-Rebellen" (2001):

Nicht "Fun", vielmehr die Arbeitsfreude, die bisweilen ins Metaphysische umschlägt, ist die Motivation. Eine Weiterentwicklung des natürlichen Fortschritt durch Auslese, bei dem sich der Stärkere/Bessere durchsetzt: "Es geht um den Code, der dem Besten in uns zugrunde liegt, dem, was sich gegen das Schlechteste wehrt, dem, was es geben wird, solange die Menschheit existiert."


Der Finne Pekka Himanen in seiner "Hacker Ethic" (2001):

Die OpenSource Programmierer als Vorkämpfer einer Gesellschaft, die neue Standards für Arbeitsmoral, gemeinschaftliche Organisation und Kommunikation geschaffen hat: Nicht Fun, sondern Pflichterfüllung für die Gemeinschaft. Nicht Basar, sondern eine neue Kirche, die weltweit verstreut über das Datennetz eine neue Ethik der Selbstlosigkeit propagieren.

 Firmen

Durch die GPL können Unternehmen keinen direkten Gewinn durch den Verkauf erzielen, sondern nur durch Sekundär-Effekte. Als Beispiel sei Mozilla genannt. AOL hat/wird seinen propitären Browser durch den Mozilla Client ersetzten. Das Unternehmen verdient dabei vorwiegend mit den Online-Gebühren, jedoch nicht mit dem Browser selbst. Somit profitiert AOL von der OpenSource Gemeinde. So beteiligen sich mehr Entwickler als man wirtschaftlich bezahlen könnte an der Weiterentwicklung.

Doch laufen Firmen Gefahr ihr Produkt aus den Augen zu verlieren, da nach GPL die Software immer frei bleiben muss: Darf somit es nicht verkauft werden. Ein Beispiel wäre evtl. zukünftig Sun's StarOffice, welches, "OpenOffice" genannt, als OpenSource frei gegeben wurde. Zwar liefert Sun das stets aktuellste OpenOffice mit ein paar Erweiterungen, Handbüchern und einer hübschen Verpackung aus. Doch sind zukünftig genügend Benutzer und Firmen bereit dafür Geld zu zahlen?

Durch den OpenSource Gedanken erwacht immer wieder alte, von der IT-Branche vergessene Software zum Leben. Ob es FreeDOS ist, welches die alten DOS-Zeiten wieder belebt oder wie OS Weiterentwicklung von BeOS, ein Betriebssystem, welches für die Pleite gegangene Firma Be nie Profit einbrachte.

 Kosten, nutzen

 Vorteile

Die Commiunity wird's schon richten...

  • Hilfe zu Problemen mit der Software gibt es praktisch immer im Internet. Aber nicht nur für Benutzer, auch OpenSource-Programmiere haben den Vorteil, auf eine große Zahl von Leuten um Rat zu fragen.
  • Fehler in der Software werden schneller gefunden, schliesslich kann theoretisch jeder Bugs beseitigen oder zumindest Melden
  • Erweiterung der Funktionalität, durch Weiterentwicklung von anderer Programmierer.

weiter Entwicklung:

  • neue Features durch Transformationseffekt, sind für viele Nutzer evtl. wichtig
  • OSS enthält keine/wenig überflüssige Features, da nur Funktionen implementiert werden, die genug Anwender interessieren

Vielfalt:

  • Systemverwalter und Anwender können schnell mehrere OSS für ihr Problem testen ohne den Umweg über evtl. aufwendigen Einkauf.

Einfluss auf Produktentwicklung:

  • Individuelle Anpassung und Weiterentwicklung sind im Vergleich zu propitärer Software einfacher

Insestitionssicherheit:

  • OSS ist unabhängig von Produktzyklen, Markkonzentrationen und Insolvenzen
  • kontinuierliche Entwicklung durch immer neue Generationen von Programmierern

 Nachteile

lange Entwicklungszeit:

Prinzipbedingt durch Transformationseffekte

  • mehr Aufwand durch: notwendige Standards und Protokolle
  • Schaffung von präzise definierte Mechanismen der Erweiterung, für Entwicklung zusätzlicher Module, ohne Erlaubnis des zentralen Architekten
  • Modularer Aufbau: Ermöglicht das Hinzufügen von neuen Funktionalität, ohne existierende Kernfunktionen ändern zu müssen.
  • Koordination der vielen Entwickler

 Macht

Ein Machtstreben der Projekt-Eigentümer wird von den Protagonisten immer ausgeschlossen. Doch gerade die zentralen Personen eines Projekts haben Entscheidungsgewalt über die weitere Entwicklung des Programms: Welche Funktionen werden neu aufgenommen (oder gestrichen)? Wo wird das Design verändert?

Diese Macht unterliegt der Anerkennung der Community. Bei 'falschen' Entscheidungen besteht immer die Gefahr der Aufspaltung des Projekts. Die symbolische Macht erfordert deshalb aber auch einen großen persönlichen Einsatz: Entscheidungen müssen plausibel kommuniziert werden, Nutzer und Entwickler müssen 'bei der Stange' gehalten werden.

 alles OpenSource?

OpenSource funktioniert nur da, wo nicht nur Benutzer an der Weiterentwicklung der Software ein Interesse haben, sondern gerade bei Programmierer muss das Interesse an der Software groß genug sein. Deshalb gibt es zwar viele Tools und Lowlevel Programme (Technische Lösungen), gerade für Linux, aber wenig wirklicher Anwender Software. Eine Ausnahme bildet die Bildverarbeitung GIMP, die allerdings nicht am kommerziell verwandten Adobe Photoshop heran kommt.

Da Menschen oft gar nicht so verschieden sind, geschieht es immer wieder, dass sich unterschiedliche Leute dieselben Fragen stellen. Deshalb gibt es eine Unmenge freier kleinerer Tools, wie Texteditoren, Audio-/Bild-/Videotools und Filter.

Der große Durchbruch an OpenSource Software ist eher in verschiedenen Netzwerk-Applikationen zu sehen. Linux ist vorwiegend ein Betriebssystem für Netzwerklösungen. Das gesamte Internet basiert darauf. (Browser, Email-Client, ServerSoftware) Erst nach langer Zeit wurde Linux zum Desktop-System erweitert.

 Schlusswort

Die Verbreitung freier Software, als eine evolutionärer Umbau der Marktwirtschaft hin zu einer eigentumslosen Gesellschaft?

Wechsel der Informationsgesellschaft in die Unterhaltungsgesellschaft, in dem der Basar der Programmierer eine große Party ist?

Abgesehen davon ist vielleicht wesentlich wichtiger die Tatsache, dass der Open Source Prozess einen mächtigen globalen Trend der zunehmenden Zusammenarbeit von Menschen über Netzwerke reflektiert.

 
 


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Letzte Änderung: 18.02.2003

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